Teil eines Werkes 
3. Band (1869)
Entstehung
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„Das Recht iſt ſtets mild! Ein ſtrenges Gericht iſt kein gerechtes Gericht. Ein ſtrenges Gericht hier halten um eines äußern politiſchen Zweckes willen wäre eine Schmach, deren ich meine edlen Verwandten nicht fähig halten mag.“

Es waren auch zündende Worte. Kein Einziger in der Geſellſchaft hatte ein Wort der Erwiderung gegen die ſchöne, ſtolze und ſtrenge Dame, die hier die Milde vertrat.

Der regierende Herr von Hauenſtein, der zuerſt ſeine Stimme für die Strenge erhoben hatte, verbeugte ſich tief nach der Sprecherin hin, als wolle er ſich von ihr überwunden erklären.

Die Gräfin Ferdinande verzieh ihm in ihrem Herzen, daß er am Morgen die Hauenſteiniſche Linie über die Werdenburgiſche hatte ſtellen wollen.

Sie hätte dann auch beinahe der regierenden Gräfin von Haſſenfurt, deren verletzende Aeußerung vom Mor⸗ gen verziehen. Aber mit dieſer Dame hatte es doch einen Haken.

Der Graf von Haſſenfurt war der erſte geweſen, der für die Milde geſprochen hatte. Seine Gemahlin mit der böſen, giftigen Zunge ſecundirte ihm jetzt.

„So ſei es denn!“ ſagte ſie. „Sprechen wir hier Recht, aber mit Milde. Das edelſte Inſtitut der Re⸗ ligion und der Sitte ſei nicht die Strafe, aber das