Teil eines Werkes 
3. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

Ihnen. Wir dürfen uns ausplaudern. Meine alte Margarethe dort war ſchon meine Wärterin und kennt jede Falte in meinem Herzen und in unſerer Familie. Vor allem nehmen Sie meinen herzlichſten Dank, daß Sie zu mir gekommen ſind. Geſtern noch hätten Sie es nicht gewagt, und auch heute hat es Sie wohl einige Ueberwindung gekoſtet?“

„Nein“, ſagte Evchen aufrichtig. „Es bedurfte nur eines Wortes des Herrn Grafen Leopold.“

„Leopold iſt brav, und auch Sie ſind es, Evchen, und ich bin eine unglückliche Frau, und um uns beide ſoll er jetzt leiden, wir beide ſind ſein Verbrechen. Halten wir zuſammen für ihn, mit ihm, gegen das Vorurtheil der Menſchen, freilich auch gegen manche Schlechtigkeit. Vorurtheile ſchaffen Hartherzigkeit; ein verhärtetes Herz wird nur zu leicht ſchlecht. Sie wollen es gegen ihn werden. Sie konnten es bis jetzt. Er mußte manchen Schein auf ſich nehmen, gegen ſich zeugen laſſen. Morgen iſt es vorbei. Mag die heutige Nacht werden und bringen, was ſie will, Glück, mein Elend für immer, dieſem Kinde ſeinen Vater, oder das Loos eines armen Geſchöpfes, das nie ſeinen Vater ſah — morgen bin ich frei, morgen dapf ich reden, darf ich für ihn zeugen, für ihn und zugleich für Sie,

für Dich, mein Kind. Denn Du biſt ſein Glück, Du 22