Teil eines Werkes 
2. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

54

welcher der zweitgeborene war. Als nämlich das erſte Knäblein oder junge Gräflein das Licht der Welt er⸗ blickt, hatte man nicht daran gedacht, daß ſofort ein zweites folgen wolle, und als nun dieſes ſich meldete, hatten ſowohl die Wehemutter wie der Hofmedicus den Kopf verloren, und die Wehemutter hatte dann das zweite Knäblein zu dem erſten gelegt und wußte nachher nicht mehr, ob ſie es rechts oder links von dem erſten gelegt habe. Sonderlich bezeichnet hatte ſie die beiden Neugeborenen auch nicht, und da ſie nun ſo völlig einander gleich zur Welt gekommen waren, ſo war gar kein Erbgraf, oder wenn man wollte, ſo waren zwei Erbgrafen anſtatt eines da.

Im erſten Augenblick war Haus S Hof ſehr un⸗ glücklich über das Ereigniß, das man als ein entſetz⸗ liches anſah. Bald machte aber eine andere Anſicht ſich geltend. Die Verwechſelung war ein ſichtbares Zeichen des Himmels, daß der alte Familienfluch gelöſt ſei. Wer von den beiden jungen Gräflein war denn nun als Erbgraf geboren? Kein Menſch wußte es, ſo ſollte nun nach der Fügung des Himmels auch der Tod es nicht wiſſen. Man war jetzt zuerſt nur wieder in Verlegenheit, wer von den beiden Neugeborenen die Regierung künftig übernehmen ſolle, wenn ſie beide, was Gott wolle, am Leben erhalten blieben. Man