48
Da war zuletzt eine arme Tagelöhnerin, die im Schloßgarten arbeitete. Sie war Wittwe und hatte ein einziges Kind, das ihre einzige Freude war und das ſie auch bei der Arbeit nicht von ſich ließ. Das hatte ſie auch eines Tages mitgenommen, als ſie im Schloßgarten arbeitete. Das Kind war zwei Jahre alt; ſie hatte ihm Blumen zum Spielen gegeben und es auf einen Grasplatz geſetzt, während ſie nicht weit davon jätete. Auf einmal kam der junge Erbgraf des
Weges, ſah die Frau und das Kind und die Blumen, und die Luſt zum Böſen erwachte in ihm. Er riß dem 3 Kinde die Blumen aus den Händen und warf ſie fort, und als es weinte, ſchlug er es mit ſeiner Reitpeitſche, und als es ſchrie, ſchlug er auf das Würmchen ein, als wenn es unter der Peitſche ſterben ſolle. Die Mutter war dem Kinde zu Hülfe geeilt; die warf er aber nie⸗ der, und ſie ſtürzte ſo unglücklich, daß ſie auf ihr Kind fiel und es erdrückte. Das Kind ſtarb am zweiten Tage. An dem nämlichen Tage wurde die Frau, die er bei ſeinem Vater verklagt hatte, öffentlich an dem Schandpfahle ausgeſtellt. Auf dem Gerüſte aber ſprach die arme Frau vor allem Volke einen grauenvollen, ſchweren Fluch aus, daß der böſe Bube nicht regierender Graf zu Werdenburg werden ſolle, und kein Erbgraf, der dem Hauſe geboren werde, ſolle jemals das Land regieren.
——


