Teil eines Werkes 
2. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

„Schurke!“ unterbrach der Graf ſeinen zeiſiggrünen Diener.

Der junge Herr war doch in Zorn gerathen, ob, weil er die Wahrheit hörte, oder weil die Unwahrheit ihn empörte?

Leonidas Stapelmann that, als nehme er das Er⸗ ſtere an.

„Ich bin ein Schurke, wenn ich Ihnen die Wahr⸗ heit ſage? Spricht denn ein Schurke die Wahrheit? Und welche Schurkerei hätte ich denn jemals gegen Sie verübt? Aber das iſt der Dank der Großen dieſer Erde! Und Leonidas Stapelmann iſt gewöhnt an ihn. Durch das Candidatenexamen ließ man mich fallen, weil ich mit Eifer auf meinen Beruf als ein Rüſtzeug der ecclesia militans mich vorbereitet hatte. Als Stu⸗ dent —“

„Burſche, Du warſt niemals Student!“

„Euer Gnaden waren noch nicht geboren; wie kön⸗ nen Sie es wiſſen?“ rief der Aufſchneider und fuhr dann fort:

„Ich hätte die Bibel und die Kirchenväter leſen ſollen; ich ging lieber auf den Fecht⸗ und Paukboden. Als Erzieher erhielt ich dann meinen Abſchied, weil Leonidas Stapelmann, der ſchöne Mann, die gnädige Frau zu häßlich und ihre Kammerzofe zu hübſch fand.