Teil eines Werkes 
3. Band (1867)
Entstehung
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„Für ihn kann ich gar nichts thun“, ſchnitt ſie mir jedes fernere Wort ab. „Ihn verfolgt nicht die Politik, ſondern nur ein perſönlicher Haß. Schilden! Er hat ihnen die Mittel für ihre Politik verſchafft; dafür müſſen ſie ihm Mahlberg preisgeben. Fordere nicht das Un⸗ mögliche, Onkel.“

Dabei blieb ſie. Ich mußte von Mahlberg Abſtand nehmen.

Aber nur auf dieſem Wege.

Ich erhielt das Billet vom General Steinau. Was darin ſtand, weiß ich nicht; es war verſiegelt. Ich ging damit zur Stadtvogtei. Ich übergab es dem Criminal⸗ rath.

Als er es geleſen hatte, ſagte er:

„Sie wünſchen Ihren Herrn Neffen zu ſprechen?“

„Ich bitte um eine Unterredung mit ihm.“

„Ah, Herr Domherr, dabei wird es Ihnen eine Freude machen, Ihrem Herrn Neffen ſeine Freiheit ver⸗ künden zu können. Der anfängliche Verdacht gegen ihn hat ſich nicht beſtätigt, iſt im Gegentheile mehr und mehr geſchwunden. Ich habe noch heute ſeine Acten genau durch⸗ geleſen und mich überzeugt, daß ſeine längere Haft nicht gerechtfertigt erſcheint. Ich ſtand gerade im Begriff, ihn vorführen zu laſſen, um ihm ſeine Entlaſſung bekannt zu machen. — Gefangenwärter, führen Sie den Herrn

Temme, Der Domherr. III. 10