Teil eines Werkes 
3. Band (1867)
Entstehung
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Ein leiſes „Herein!“ antwortete ihm. Er trat in ein freundliches Gemach. Die Frau Mahler war mit ihrem Kinde darin.

Die Frau war in Trauerkleidung, wie eine Wittwe. Sie trug ſich ſo, ſeitdem ſie wieder unter Menſchen war.

Ihr Kind war ein ſchöner, kräftiger Knabe geworden; er zählte jetzt über zwei Jahre.

Das Kind ſpielte zu den Füßen der Mutter.

Die Frau ſaß am Tiſche bei einer Arbeit. Aber ſie hatte ſie ſchon wohl ſeit einiger Zeit nicht mehr ange⸗ rührt; ihre Augen waren, als der Domherr eintrat, noch halb nach dem Fenſter des Stübchens gerichtet. Die untergehende Abendſonne warf ihre letzten Strahlen hinein.

Sie wollte aufſtehen, den Gaſt zu begrüßen.

Der Domherr hatte ſchon einen Stuhl genommen, ſich zu ihr geſetzt.

„Sie ſitzen auch heute hier ſo allein?“ fragte er ſie.

„Was ſollte ich bei den Andern?“

„Glück und Freude erheben den Menſchen zu Gott.“

„Glück?“ fragte die Frau bitter.

„Auch das Glück Anderer. Was verpflichtet Sie mehr

zum Danke gegen Gott als das Glück Ihres Kindes?“ Er nahm den Knaben auf ſeine Kniee. „Und iſt es nicht ein prächtiges Kind?“ fuhr er fort.

„Geboren wie im Glück und nur zum Glück?“ 4*