Teil eines Werkes 
3. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

52

„Und doch iſt nie ein Kind in größerem Unglück ge⸗ boren.“

„Deſto mehr Anſprüche möge es auf Glück haben.“

„Das gebe ihm Gott!“

„Sehen Sie, Frau, da müſſen Sie ſchon an Gott denken, und wer an Gott denkt, der hat ſich ſchon er⸗ hoben. — Wann legen Sie Ihr Kind ſchlafen?“ fragte er dann.

„Die Sonne geht unter. Es wäre jetzt Zeit.“

„Wird es einſchlafen, wenn die alte Chriſtine es in ſein Bettchen legt?“

„Gewiß. Es liebt die alte Frau.“

Der Domherr öffnete die Thür.

„Chriſtine“ rief er in den Gang hinein.

Er kannte das ganze Hausweſen.

Die alte Frau kam.

„Bringe das Kind in den Schlaf, alte Chriſtine, ich habe mit der Madame einen Gang zu machen.“

Die Frau Maohler ſah den Domherrn verwundert an.

Er ſtand ſchon zum Fortgehen bereit.

„Wenn ich bitten darf“ ſagte er.

Sie kannte ſein raſches, entſchiedenes Weſen, dem man nachgeben mußte.

Sie küßte ihr Kind. Der Domherr bot ihr ſeinen Arm.

———— ————

—