37
wäre ich, wenn ſie nicht wäre? Für ſie allein gebe ich alle Freude hin, die mir hätte werden können, die ich träumte, hoffte. — Hm, da kann ja auch die arme Frau, zu der ich jetzt gehe, künftig noch Glück und Freude er⸗ leben. Der Leiden hat ſie wahrhaftig genug gehabt, und ſie hat ſie noch immer. Und auch Gisbert und Gisber⸗ tine? Aber haben die denn wirkliche Leiden, wirkliches Unglück? Findet denn nicht die eine in ihren Launen, in ihrem Trotz gerade ihr Glück, ihre Befriedigung? Und er? Läßt denn ſein bequemes Weſen ihn zum rech⸗ ten Schmerze gelangen? Er ſei zum Durchbruch ge⸗ kommen, meint er —“
Er wurde noch einmal aufgehalten.
Er war um das Herrenhaus herumgegangen, um von vorn auf dem gewöhnlichen Wege durch den runden Thurm hineinzutreten. Als er die Vorderfronte des Hauſes er⸗ reicht hatte, ſah er den Burſchen, der ihm am Morgen den Brief Karolinens nach Hofgeismar gebracht hatte, aus einer Seitenſchlucht des Thals auf das Haus zu⸗ kommen. Der Burſche ging eilig, und als er den Dom⸗ herrn ſah, winkte er dieſem, als wenn er ihm etwas Dringliches mitzutheilen habe. Der Domherr blieb ſtehen,
ihn zu erwarten.
Der Burſche war Bernhard Henke, der Sohn der armen Bauersleute in Niederhelmern, der Führer der


