Uebereinſtimmung der Reinheit und des Adels in den Körperformen mit der ſichern und edlen Ruhe eines kla⸗ ren Geiſtes und eines reinen Herzens. So war ſie im⸗ mer; ſo war ſie auch heute.
Doch der ſcharfe Blick des Domherrn ſchien heute etwas an ihr zu vermiſſen; in ihrem klaren Auge ſchien ihm ein leichtes Wölkchen, auf ihrer reinen Stirn ein leiſer Schatten zu liegen. Er wollte ſie darauf anſehen.
Sie ſtellte ihm ihren Bräutigam vor.
Und das Auge des Domherrn ruhte mit Wohlge⸗ fallen, faſt mit Ueberraſchung auf der kräftigen, imponi⸗ renden Geſtalt, auf den markigen und edlen Zügen des Mannes, der ſo einfach in ſeinem Bürgerrock und ohne Orden und Ordensband vor ihm ſtand und doch in ſei⸗ ner Geſtalt, in ſeiner Haltung, in ſeinem Blick, ohne daß er es wollte, den tapfern Soldaten, den heldenmüthigen Vertheidiger des Vaterlandes zeigte.
„Mein Bräutigam!“ hatte Karoline nur geſagt.
Der Domherr ergriff ſeine Hand.
„Seien Sie mir herzlich gegrüßt — nein, nein, laſſen Sie es mich Ihnen ſogleich und geradezu herausſagen, wie ich mich freue, daß das liebſte Herz, das ich auf der Welt habe, einen ſo braven Mann gefunden hat.“
Er ſtellte dann ſeinen Neffen vor.
„Ja, ja, Gisbert, mein Junge, ich habe Dich lieb;


