Teil eines Werkes 
3. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

—

wäre, Ihre Frau würde Ihre Sklavin werden, und das ſteht weder in der Bibel, noch taugt es im Leben. Zetzt antworten Sie mir.“

Aber jetzt antwortete Mahlberg nicht.

Er war wohl mit ſeinem Entſchluſſe fertig geweſen; aber manche Menſchen faſſen Entſchlüſſe, ohne vorher Alles reiflich zu überlegen; brave Menſchen können aber nachher, auch wenn ſie die feſteſten und entſchiedenſten ſind, bei einer beſſern Ueberzeugung auch andern Sinnes werden.

„Herr Domherr“ ſagte Mahlberg, „darf ich jetzt eine andere Bitte an Sie richten?“

„Heraus damit!“

„Ich wollte meiner Frau die gerichtliche Scheidung vorſchlagen. Dieſe ſollte in der Art ſtattfinden, daß meine Frau nicht compromittirt würde und daß ſie zugleich immer rechtlich von mir ihr ſtandesmäßiges Auskommen erhielte. Dazu müßte ich für den ſchuldigen Theil erklärt werden, und hierfür müßten vorher beſtimmte Verab⸗ redungen zwiſchen uns ſtattfinden. Das ſollte der Zweck meines Wiederſehens mit ihr ſein. Wollen Sie die Güte haben, die Unterhandlung darüber mit ihr zu führen?“

Der Domherr war verlegen geworden.

om, hm, lieber Herr, das iſt ein verzweifeltes

Anſinnen. Ich bin Geiſtlicher. Die Kirche ſieht die Ehe