Niemand mehr geſprochen. An Gretchen hatte ſie durch ihre Jungfer ein reiches Geldgeſchenk geſchickt. Zum Dank, daß ſie mich ſo treu gepflegt habe, hatte ſie ihr dabei ſagen laſſen. Ob im Ernſt oder aus Jronie? Das arme Ding hatte es als Ernſt aufgenommen. Sie weinte bitter⸗ lich vor Dank, vor Rührung und vor Scham. Jo, Onkel Florens, auch vor Scham, hauptſächlich vor Scham. Und es war keine Jronie Gisbertinens geweſen, es war, magſt Du von ihr ſagen, was Du willſt, es war ihr edles und klares Herz. Gretchen war auf einmal zur Einſicht, zur Selbſterkenntniß gekommen. Ich war wohl zu freundlich gegen ſie geweſen, und da hatte ſie ſich ſelbſt — nicht ich ihr — etwas in den Kopf geſetzt. Und auch in mir wurde es klarer. Das Mädchen und ich waren uns von dem Augenblicke an fremder geworden. Ihre Mutter brachte mir den Koffee, ordnete die Zimmer, und ich ſah lieber die alte Frau als das Kind. Und als ich dann abreiſte, gab ich dem Kinde eine Ausſtattung. Ich reiſte aber ab, nachdem ich acht Tage vergeblich auf eine Nachricht von Gisbertinen gewartet hatte. So bin ich hier.“
„Und mit größerer Liebe im Herzen als früher?“
fragte der Domherr.
„Ja!“ ſagte der junge Freiherr offen. „Erſt jetzt liebe ich ſie recht.“


