denden Unwahrheit greifen können, dem Geliebten ſich als Verbrecherin darzuſtellen, als die Verbrecherin, die ſie in den Augen der Welt doch einmal war und blieb? Es war ein Heroismus; aber giebt es denn in der Welt eine große und heldenmüthige Auf⸗ opferung, deren das liebende Herz des Weibes nicht fähig wäre? — Er wurde unruhiger, wenn er es mir auch mehr zu verbergen ſuchte. Die Ungewißheit war ſeine größte Unruhe. Er hatte Schritte gethan, um zu einer Gewißheit zu gelangen. Wie wenige Schritte hatte er als Flüchtling thun können! In einer Angelegenheit, in der er keinen Menſchen zum Vertrauten machen durfte, hatte er ſich nach allen Seiten hin gefeſſelt ſehen müſſen. Ich bekam mehrere Male deutſche Zeitungen in die Hand, in denen ich unter den Ankündigungen folgende Aufforderung las: „J. S. wird an Dieſſen⸗ hofen erinnert und um Nachricht nach Z. gebeten.“ J. bedeutete Jda, Z. Zürich. Den Hausnamen der Geſuchten kannte ich nicht. Aber es blieb mir kein Zweifel, daß die Aufforderungen von Roth ausgingen. Ich ſprach nicht mit ihm darüber. Ich konnte ihm ja nicht helfen.
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