Teil eines Werkes 
1. Band (1873)
Entstehung
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—B

„Sie können ſie für ſchuldig halten, ohne daß ſie verführt war?“

„Nein.“

„Der Graf hatte ſie alſo verführt! Und ſie allein wurde zur Unterſuchung gezogen? Er nicht?

Ich zuckte die Achſeln.

„Es war damals eine Zeit der höchſten Corrup⸗ tion und Feigheit der Gerichte. Und — ich kann kein Urtheil fällen, aber darf ich Ihnen meine Vermuthung ausſprechen?“

„Ich bitte auch darum.“

„Ihr Freund war ein Schurke, innerlich ein vollendeter Lump, ein um ſo größerer und gefähr⸗ licherer, je mehr er äußerlich den braven Edelmann, den vollendeten Mann von Ehre machen konnte. Der durch ihre Heftigkeit und ihren Jähzorn ihn quälen⸗ den Frau war er müde, wenn auch ſeine Heuchelei äußerlich ein leidliches, ſelbſt gutes Verhältniß auf⸗ recht zu erhalten wußte. Eine Leidenſchaft für die ſchöne Erzieherin kam hinzu. Er konnte dieſe nicht gewinnen, ſo lange ſeine Frau lebte. Die Frau mußte beſeitigt werden. Die Geliebte mußte Mit⸗ ſchuldige werden, ſie war dann ſein willenloſes Opfer.