Druckschrift 
Die Frithjofs Sage / von Esaias Tegnér ; aus dem Schwedischen von Gottlieb Mohnike
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Du haſſeſt Beles Söhne. Warum haſſeſt du? Weil ſie dem Sohn des Odalbonden weigerten Die Schweſter, die entſprungen iſt aus Semings Blut, Des großen Odenſohnes; ihrer Ahnen Zahl Steigt bis zu Walhalls Thronen auf; deß ſind ſie ſtolz. „Geburt iſt Glück, und kein Verdienſt,“ erwiederſt du. „Auf ſein Verdienſt, o Jüngling, wird der Menſch nicht ſtolz, Glück macht nur ſtolz die Menſchen; denn das Beſte iſt Doch guter Götter Gabe. Biſt du ſelbſt nicht ſtolz Auf deine Heldenthaten, deine höhre Kraft! Gabſt du dir ſelbſt die Kräfte! Schlang nicht Aſa⸗Thor Dir feſt des Armes Sehnen, wie den Eichenaſt! Iſts nicht des Gottes höhrer Muth, der freudig klopft Dir in der Schildburg der gewölbten Bruſt! Iſt nicht Thors Blitz es, der dir funkelt in des Auges Gluth!? Die hohen Nornen ſangen bei der Wiege ſchon Das Heldenlied des Lebens dir, und dein Verdienſt Iſt mehr nicht als des Königsſohns ob ſeinem Stamm. Schon“ Andrer Stolz, wenn Schonung du für deinen willſt. Todt iſt nun König Helge.“ — Hier fiel Frithiof ein: „Todt König Helge! Wie und wo?“ — „Du weißt es ſelbſt, So lange du hier baueteſt, war er in Krieg Begriffen mit den Finnen. Dort auf ödem Fels Stand noch ein alter Tempel, Jumala geweiht. Verſchloſſen und verlaſſen war er lange ſchon; Es hing jedoch noch überm Thor ein wunderlich Uraltes Bild des Gottes, ſtets dem Falle nah. Doch ihm zu nahen wagte Keiner, denn es ging Von Stamm zu Stamm die Sage, daß der, ſo zuerſt Zum Tempel käme, ſchauen würde Jumala. Dies hörte Helg', und bittrer Ingrimm kam ihn an; Voll Haß die öden Steige zieht er hin zum Gott, Und will den Tempel ſtürzen. Als er oben kommt, Iſt zu das Thor, es roſtet feſt der Schlüſſel drin. Da griff er an die Thorespfoſten, ſchüttelte Die morſchen Pfeiler; ſchreckliches Gekrach erſcholl; Es fiel das Bild, in ſeinem Fall zerſchmettert' es Den Walhallſohn, der Jumala nun ſchauete.