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Vergangne Nacht — die Nacht war voll Gefahren,
Ich wartete auf dich, du kameſt nicht,
Gedanken, finſter ernſt, der Nacht Geburten,
Mit ſchwarzen Locken, gingen ſtill vorüber
Dem wachen Aug', es brannte ohne Thränen; * und Balder ſelbſt, der bleiche Gott, er ſah
Mit drohungsvollem Blick auf mich herab —
Vergangne Nacht hab' ich mein Loos erwogen;
Gefaßt iſt mein Beſchluß, ich bleibe hier,
Ein folgſam Opfer am Altar des Bruders.
Doch gut wars, daß ich dich daſelbſt nicht hörte
Mit deinen Dichterinſeln in den Wolken,
Wo ſtete Abendröthe rings umgiebt
Die ſtille Blumenwelt voll Fried und Liebe.
Werfühlt ſich ſelbſt nicht ſchwach? Der Kindheit Träume,
Die lang geſtillten, ſtehen wieder auf,
Und flüſtern mir ins Ohr mit einer Stimme So wohlbekannt als Stimme einer Schweſter,
So zärtlich, wie wenn ein Geliebter ſpräche. Ich hör' euch nicht, o nein, ich hör'euch nicht,
Ihr lockenden, ihr vormals theuren Stimmen!
O was ſoll ich, des Nordens Kind, im Süden? 1 Für Südens Roſen bin ich viel zu bleich;
Zu farblos iſt mein Herz für ſeine Gluth;
Verbrennen würd' es an der heißen Sonne.
Mit Sehnſucht würde ſtets mein Auge blicken
Hin nach dem Nordſtern, welcher ruhig ſteht
Als Himmelswacht hoch über Vätergräbern.
Mein edler Frithjof wird hinweg nicht flüchten
Vom lieben Lande, das er ſoll beſchirmen;
Wird nicht verſchleudern ſeinen Ruf für eine
So kleine Sach', als eines Mädchens Liebe.
Ein Leben, drin die Sonne Jahr für Jahr . Den einen Tag ſo wie den andern ſpinnt, Ein ſchönes, aber ew'ges Einerlei,
Iſt nur für Mädchen; doch für Männerſeelen, 5 Für dich zumal, iſt Lebensſtill' ermüdend.
Dir iſt am beſten, wann der Sturm ſich tummelt


