Teil eines Werkes 
7. bis 11. Bändchen (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

284

„Sie ſind doch noch nicht zu Bett gegangen? Ich möchte mit Ihnen ſprechen — öffnen Sie die Thüre — ich bitte — ich beſchwöre Sie.“

„Was Sie mir zu ſagen haben, läßt ſich morgen ebenſo gut als jetzt ſagen.“

„Ich möchte es lieber jetzt ſagen.“

„Und ich es lieber morgen hören.“

Hamilton kannte ſie zu gut und kehrte darauf zu ſeinem Fenſter zurück, wo er bewußtlos für Alles, was unter ihm vorging, länger als eine Stunde blieb und nichts als einen wirren Laut von Inſtrumenten hörte, der bei ihm ein höchſt peinliches Gefühl von Ermüdung hervorbrachte. Er ſchloß das Fenſter, löſchte mit einem ziemlich verzagten Blick auf das Zimmer, das als Schlaf⸗ ſtätte ihm nur ſehr wenig Bequemlichkeit bot, das Licht und ſtreckte ſich der ganzen Länge nach auf dem Sopha aus. Lange war er in tiefe Gedanken verſunken und wie er in dem dunkeln Gemache ſo dalag, beſchloß er, daß eine zweite Nacht ihn nicht mehr in einem ſolchen Zuſtande der Ungewißheit finden ſollte. Und warum ſollte er ſich jetzt plagen? Warum nicht ſein Schickſal auf ein⸗ mal erfahren? Er wollte darauf beſtehen, daß Hilde⸗ garde ihn anhöre und Antwort gebe. Er ſprang auf und ſogleich hefteten ſich ſeine Augen an einen hellen Lichtſtreifen, der unter ihrer Thüre ſichtbar war. Sie war noch wach, vielleicht noch auf. Er klopfte und bemerkte mit leiſer Stimme, an die Thüre gelehnt:

„Hildegarde, ich kann nicht ſchlafen.“

„Das thut mir recht leid,“ antwortete ſie, „wahr⸗ ſcheinlich iſt der Sopha — —“

„Ja, der Sopha,“ ſagte Hamilton.

„Ich wünſche,“ ſagte ſie, ſich der Thüre nähernd, „ich ich könnte Ihnen dieſes Zimmer abtreten — aber —“

„Das iſt nicht nöthig, geben Sie mir nur einige von den Kiſſen, die Sie nicht brauchen, dann werde ich mich ganz behaglich finden.“