Teil eines Werkes 
7. bis 11. Bändchen (1854)
Entstehung
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„Haben Sie etwas dagegen, daß ich eine Cigarre rauche, wenn ich das Fenſter öffne?“

„Nicht im Mindeſten: rauchen Sie ein Dutzend, wenn's Ihnen beliebt.“

Er öffnete das Fenſter und beugte ſich hinaus, um das belebte Schauſpiel, das zu ſeinen Füßen ſich dar⸗ ſtellte, zu beobachten. Der Garten war gedrängt voll und von Lichtern erhellt, die vor dem Winde durch Glaskugeln geſchützt wurden; das Murmeln der Stim⸗ men und fröhliche Lachen drang zu ihm empor, und hätte er nicht fortwährend eine ſchwache Hoffnung ge⸗ hegt, Hildegarde noch zu ſehen, er würde ſich den Nacht⸗ ſchwärmern angeſchloſſen haben, nicht in Erwartung eines wirklichen Genuſſes, ſondern in der Abſicht, die Gedanken zu verbannen, die in Menge auf ihn ein⸗ drangen und einen bei ihm ganz ungewöhnlichen Zu⸗ ſtand nervöſer Aufregung erzeugten.

Er war ärgerlich über Hildegarde's ruhiges, freund⸗ ſchaftliches Benehmen; es ſtand in ſo peinlichem Con⸗ traſt mit ſeiner eigenen fieberiſchen Ungewißheit, daß ſeine Eiferſucht ihm das Bild von Zedwitz ohne Wider⸗ ſtand immer deutlicher vor die Seele ſtellte. Mußte nicht die Stellung einer Gouvernante für ein Weſen ihrer ſtolzen Art unerträglich ſein? Mußte ſie nicht, nachdem fie es damit verſucht hatte, mit Freuden die Hand von Zedwitz annehmen, der ihren eigenen Worten nach ſie mehr als irgend Jemand ſonſt, — ſie mehr liebte, als ſie es verdiente? Dieſe Gedanken wurden zuletzt uner⸗ träglich, und mit einem Sprung war er wieder an ihrer Thüre.

„Hildegarde, das Muſikeorps fängt im Garten zu ſpielen an, wollen Sie nicht herauskommen und zu⸗ hören?“

„Nein, ich danke.“

„Aber Sie ſind doch hoffentlich noch nicht zu Bett gegangen?“

Es erfolgte keine hörbare Antwort.