281
ſich gegen Hildegarde wandte, die am Fenſter ſaß, aber nicht mehr auf den Rhein oder in den Garten ſah, ſon⸗ dern die Augen auf die Thüre gerichtet hatte, als der Kellner ſie ſchloß und mit geöffneten Lippen und leicht gerunzelten Brauen, wie es ſchien, noch Weiteres zu hö⸗ ren erwartete.“
„Sie ſehen ja über des Menſchen einfältigen Irr⸗ thum ganz entſetzt aus,“ ſagte Hamilton mit affektirter Sorgloſigkeit.
„Es war kein einfältiger Irrthum, es war ein ſehr natürlicher Schluß.“
„Sie meinen vielleicht wegen der Zimmer? Laſſen Sie ſich das nicht anfechten, denn Sie ſollen im unge⸗ ſtörten Beſitz von beiden bleiben. Ich werde wohl ein Bett in einem der Gaſthöfe auf der andern Seite des Fluſſes bekommen; ich hätte Ihnen das auch ſogleich Fielen⸗ nur wollte ich Sie hier nicht gern allein aſſen.“
„Ich fürchte, Sie werden mich für höchſt ſelbſt⸗ ſüchtig halten,“ ſagte Hildegarde.
„Durchaus nicht.“
„Alſo unnöthig prüde.“
„Das ein wenig.“
„Sie haben Recht,“ ſagte ſie mit einem Seufzer. „nachdem ich mit Ihnen auf eine ſo — ſo höchſt — leichtſinnige Weiſe in die Welt gegangen bin, ſo würde jeder Verſuch zur Prüderie unzeitig — lächerlich ſein. Es hindert Sie wirklich Nichts, in dieſem Zimmer zu ſchlafen, wenn Sie nicht fürchten, daß der Sopha hie⸗ für zu unbequem ſei.“
„Es hindert mich allerdings Etwas,“ ſagte Ha⸗ milton, „und das iſt, daß Sie es nicht wünſchen. Ich will ſogleich über die Brücke gehen und wenn dort noch ein Zimmer nicht ganz am andern Ende der Stadt zu haben iſt, vor Morgen nicht zurückkehren.“
„Würden Sie aber nicht beſſer daran thun, bis nach dem Abendeſſen zu warten?“


