61
ein, Major, warum Sie ein ſo ernſtes Geſicht machen.“
„Ich habe im Sinn, Creſcenz ſelbſt Schlitten zu fahren,“ ſagte Major Stultz, „und ſetze mit Grund voraus, daß Sie dabei ebenſo viel Vergnügen haben wird, als mit Herrn Hamilton.“
Creſcenz beugte ſich über ihre Arbeit und erwiederte kein Wort.
Ein ſtarker Schneefall in der Nacht und ein hei⸗ terer blauer Himmel am folgenden Tag erwieſen ſich als höchſt günſtig, und nach dem Mittageſſen wurde der Schlitten vor die Thüre gebracht. Madame Roſen⸗ berg und ihr Sohn Guſtel wurden ſorgfältig von Ha⸗ milton in das leichte, phantaſtiſche Fuhrwerk gehoben, Hans nicht unnöthig die Pferde an den Köpfen ielt.
Kaum waren die muthigen Thiere losgelaſſen, als ſie mit einer Heftigkeit vorwärts ſtürzten, die Madame Roſenberg einen halb unterdrückten Schrei auspreßte, während das Kind, ſeiner Mutter Schrecken theilend, Hamilton's Arm ergriff und mit aller Kraft feſthielt.
„Guſtel, Du darſſt weder meinen Arm, noch die Zügel aufaſſen!“ rief Hamilton, ihn abſchüttelnd. „Sie werden im Augenblick ruhig ſein,“ fügte er gegen Ma⸗ dame Roſenberg hinzu, die ihre Augen geſchloſſen und die Lippen zuſammengepreßt hatte, als ob ſie auf das Schlimmſte gefaßt wäre. Aber trotz aller ſeiner Be⸗ mühungen ſtiegen, tanzten und ſprangen die Pferde zu großer Bewunderung der Vorübergehenden, während vie arme Madame Roſenberg wie in Todesangſt daſaß. Sie ſprach kein Wort, bis ſie die Nymphenburger Straße erreicht hatten; hier aber vermehrte jeder Schlitten, dem ſie begegneten, ihren Schrecken und endlich ſagte ſie:
„O lieber, guter, vortrefflicher Herr Hamilton — kehren Sie um und bringen Sie mich wieder nach Hauſe — ich weiß, Sie ſind zu gut, um ſich an mei⸗ ner Angſt zu weiden — wenn es nur Guſtel zu lieb


