Teil eines Werkes 
7. bis 11. Bändchen (1854)
Entstehung
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ſich mit Thränen,“ ich brauchte Lina nicht dazu, um das herauszufinden. Für ſo einfältig Du mich auch hältſt — kann ich doch fühlen, — daß Du ganz verändert biſt.“

Hildegarde biß ſich auf die Lippen, — ging gegen das Fenſter — kam dann haſtig wieder zuruck, ſchlug die Arme um ihre Schweſter, und küßte ſie auf die Wange, indem ſie flüſterte:

„Liebes Mädchen, ich bin nicht im Mindeſten in meiner Liebe zu Dir verändert; aber Du weißt ſelbſt, daß jedes Wort, welches ich gegen Dich ausſpreche, Lina Berger wieder geſagt wird; und wie kannſt Du erwarten, daß ich Dir traue?“

„Aber,“ ſagte Creſcenz auſſchauend, „aber Du weißt, daß ich in der Schule oft wieder geſagt habe, was ich von Dir hörte, und Du haſt mich nur zuweilen ein wenig geſcholten Jetzt geräthſt Du nur ſeiten in Zorn und biſt ſo kalt und ſo vorſichtig in Allem, was Du ſagſt — gerade wie Mademoiſelle Hortenſe!“

„Wie Mademoiſelle Hortenſe 2“

„O, ich will damit nicht ſagen, daß Du ihre dicke Naſe und hohe Schultern haſt,“ ſagte Creſcenz durch Thränen lächelnd, „aber Du nimmſt kaum Notiz von nif und ſprichſt immer von Büchern mit Herrn Ha⸗ milton.“

Hildegarde ſchwieg.

„Und dann ſprichſt Du jetzt mehr Engliſch als

Franzöſiſch, und Lina ſagt —“

„Ich will nicht wiſſen, was ſie ſagt, nenne mir ihren Namen nicht mehr,“ rief Hildegarde ungeduldig.

„Nein, nein — ich werde es nicht thun,“ rief Cres⸗ eenz beſtürzt. 3

„Die abſcheuliche Perſon,“ fuhr Hildegarde, abge⸗ wendet, fort, „ich kann es ihr nie vergeben, daß ſie die letzten Wochen, die wir wahrſcheinlich mit einander zu⸗ bringen werden, uns verbittert hat.“

„Nun,“ ſagte Creſcenz die Augen trocknend, „auf alle Fälle werden wir nach meiner Heirath beſſer mit