46
Zeit, ehe er die knieende Geſtalt derjenigen, die er ſuchte, entdecken konnte.
Walburg mit ihren glänzenden Haarflechten, dem ſilbernen Häubchen und dem großen Marktkorbe am Arme ſtand in dem Chorgang. Ihr Gebet ſchien zu Ende, denn ſie ſchaute heiter um ſich und nickte gele⸗ gentlich einer oder der andern der ihr bekannten Korb⸗ trägerinnen, wenn ſie vorübergingen, zu. Sie erkannte Hamilton ſogleich und beugte ſich nieder, um Hilde⸗ garde etwas zuzuflüſtern, die ſich augenblicklich erhob, und Hamilton jah, wie eine tiefe Rothe ihre Wangen überſchattete, als ſie auf ihn zuſchritt.
Sie verließen die Kirche zuſammen, und Hilde⸗ garde's erſte Worte waren:
„Wie blaß und ermüdet Sie ausſehen! Ich hoffe, Sie ſind nicht krank.“
„Nicht im Mindeſten,“ ſagte Hamilton, und es entging ſeiner Beobachtung nicht, daß ihre Angſt vor Allem ihm zu gelten ſchien. „Es wird Sie freuen, zu hören, datz es endlich mit Zedwitz beſſer geht; es war keine Ausſicht auf Geneſung, bis vor einer Stunde.“
„So habe ich bereits von Herrn Biedermann ge⸗ hört, der ſo freundlich war, einen Augenblick bei uns einzuſprechen, gerade ehe ich von Hauſe wegging.“
„Ah, Sie haben Biedermann geſehen 2.
„Ja,“ und dann fügte ſie nach einer Secunde hin⸗ zu: „nun, da Graf Zedwitz's Familie angekommen iſt, ſollten Sie an ſich ſelbſt denkenz denn, ſelbſt wenn Sie keine Anſteckung fürchten, dürfen Sie nicht vergeſſen, daß gegenwärtig ſchon ungewöhnliche Anſtrengung ge⸗ fährlich iſt. Sie haben zwei. Nächte keine Ruhe ge⸗
habt — Sie, der weit mehr Schlaf bedarf, als Andere, i ich Sie mehr als einmal zu Mama ſagen gehört habe.“
„Das war nur eine Entſchuldigung für meine un⸗ verzeihliche Trägheit,“ erwiederte Hamilton lächelnd. „Ich gedenke zu Havard zu gehen, um mich umzuklei⸗


