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ſenden. Madame Roſenberg erhob ſich von ihrem Elln⸗ bogen und rief: „Was machſt Du, Hildegarde! Schließ das Fenſter und laß die kalte Nachtluft nicht in's Zim⸗ mer herein.“
Hamilton ſchloß das Fenſter. Als er umſchaute, wurde er gewahr, wie Major Stultz mit dem Sopha⸗ kiſſen auf den Knieen ſich gegen Creſcenz, die lächelnd ihm ſtand, in einen Strom von Dankſagungen ergoß.
In wenigen Minuten waren ſie auf dem Weg nach der Frauenkirche. Sie war zum Erdrücken voll und glänzend erleuchtet, hauptſächtich durch die Menge von Wuchsterzen⸗ welche mit den Gebetbüchern gebracht wor⸗ den waren und jetzt hell vor jeder knieenden oder ſitzen⸗ den Geſtalt brannten.
Die Muſik war ausgezeichnet, und da Hamilton bald bemerkte, daß der weibliche Theil der Verſamm⸗ lung, der die Kirchenſtühle einnahm, es hauptſächlich war, der Line außerordentliche Andacht an den Tag legte, diejenigen dagegen, die in ſeiner Nähe im Chor⸗ gang ſtanden, ſich damit unterhielten, nach allen Sei⸗ ten ſich umzuſchauen, folgte er allmälig ihrem Beiſpiel und befriedigte, indem ſeine hohe Geſtalt ihn in Stand ſetzte, über dieſes Meer von Köpfen hinzuſchauen, ſeine Neugierde in vollem Maße. Er bemerkte, daß Creſcenz's Augen ſich nicht ſelten über ihr Gebetbuch hinwegſtah⸗ len, um einen flüchtigen Blick auf ihn oder Major Stultz, der neben ihr ſtand, zu werfen, aber Hildegarde war unbeweglich — ihre tiefe Andacht überraſchte ihn. Sie ſprach ſo viel weniger von Religion, als ihre Schweſter, daß er auf den irrigen Schluß gekommen war, ſie ſei wenig religiös. Die brennende Kerze warf ein ſtarkes Licht auf ihr geſenktes Haupt und ihre ge⸗ falteten Hände, und da er ſich plötzlich einer Bemer⸗ kung erinnerte, die Zedwitz einmal über den. madon⸗ nengleichen Ausdruck ihrer regelmäßigen Geſichtszüge gemacht hatte, wandte er ſich unwillkürlich um, nach
Die Anfangsbuchſtaben. I. 3


