„Wie rückſichtsvoll von ihm, daß er uns die ganze Zeit über den Rücken zukehrt,“ ſagte Hamilton lachend, man möchte faſt denken, er thue es mit Fleiß. Aber ſehen Sie, die Kinder kommen, gute Nacht zu ſagen, und die Hoffmanns ſcheinen aufzubrechen.“
„Wahrſcheinlich wird der Doktor darauf beſtehen, daß ich auch mitgehe!“ ſagte Madame Berger, „er hat keine Rückſicht für mich und die Idee will nie in ſeinen alten Kopf, daß ich gerne die Mitternachtsmeſſe mit Ihnen — Allen beſuchen möchte.“
Der Doktor beſtand darauf und die Geſellſchaft ent⸗ fernte ſich zuſammen. Roſenberg erklärte auf einmal ſeine Abſicht, zu Bette zu gehen, ſeine Frau wollte auf dem Sopha ein bischen ſchlummern, bis es Zeit wäre, in die Kirche zu gehen; Major Stultz ſetzte ſich, wie gewöhnlich, neben Creſcenz und ihren Arbeitskorb und begann eine flüſternde Unterhaltung, die jedoch nach und nach merklich in's Stocken gerieth, denn Creſeenz's Finger bewegte ſich ſchneller als ihre Zunge; — die Monotonie ſeiner eigenen Stimme in der ſonſt ununter⸗ brochenen Stille erzeugte natürlich eine Schläfrigkeit, gegen welche der Major lange und tapfer ankämpfte — aber es war vergeblich, daß er bolzgerade auf ſeinem Stuhl zu ſitzen verſuchte, indem er hin und wieder wild um ſich ſtarrte. Nachdem er eine Reihe ſchläfriger Ver⸗ beugungen von ſolcher Tiefe gemacht hatte, daß Cres⸗ cenz's ehrbares Lächeln faſt in ein Gelächter überſchlug, ſanken ſeine Arme endlich ſchwer auf ſeine ausgeſtreckten Beine herab, der Kopf ſuchte eine Stütze auf der unbe⸗ haglich niedern Stuhllehne, ſein Unterkiefer fiel herab und der langgezogene Athem artete in ein lautes und langes Schnarchen aus.
Hildegarde hatte bereits eine ſolche Macht über Hamilton erlangt, daß die Furcht, ſich ihr Mißfallen zuzuziehen, ihn abhielt, laut aufzulachen, oder zuerſt nur aufzuſehenz nach einiger Zeit jedoch preßte er ſeine Lippen jeſt auf ſein Buch und ſeine Augen blickten mit


