375
aber meine Augen ſind ſo gut wie die Deinigen, und mit dieſen Augen habe ich ihn in's Haus gehen ſehen.“
„Sie haben ganz recht,“ ſagte Raymund, der jetzt mit der ungezwungenſten Manier und dem ſorgloſeſten Lächeln, das man ſich denken konnte, ſich näherte. „Ich wußte, daß Marie mit Madame Roſenberg ausgegangen war, und da ich mir nicht einbildete, meine zukunftige Schwiegermutter nehme ein ſo lebhaftes Intereſſe an meinen Bewegungen, ſo wagte ich, ohne ſie von meinem Vorhaben in Kenntniß zu ſetzen, meinen Freund Ha⸗ milton zu beſuchen.“
„Aber Hamilton iſt ausgeritten,“ rief Frau von Hoffmann.
„Vielleicht war er ausgeritten, aber ich hatte das Glück, ihn nichtsdeſtoweniger zu Hauſe zu finden.“
„Dann muß er über die Hintertreppe heraufge⸗ gangen ſein, oder ich hätte ihn ſonſt durch die Thur⸗ ſpalte ſehen müſſen, durch welche ich Sie die Treppe heraufkommen ſah.“
„Leicht möglich,“ ſagte Rahmund verächtlich.
„Marie,“ ſagte Frau von Hoffmann mit einem ihrer Abſicht nach flüſternden Tone, der aber Allen ver⸗ nehmlich war. „Marie, mein Kind, ich glaube von dem Allem kein Wort. Der Engländer iſt eben ſo wenig im Hauſe, als der Mann im Mond.“
„Zum Teufel mit Ihrem Argwohn“ brummte Ray⸗ mund zornig. „Ich werde wohl,“ ſetzte er mit gerun⸗ zelter Stirne hinzu, um Sie zufrieden zu ſtellen, Herrn Hamilton bitten müſſen, ſich ſelbſt der verſammelten Hausgenoſſenſchaft zu zeigen.“
Er ſchien jedoch ſo wenig geneigt, dieß in Erfüllung zu ſetzen, daß Frau von Hoffmanns Verdacht Beſtäti⸗ gung erhielt. Sie wandte ſich von ihm ab und ſagte mit ſpöttiſchem Lachen:
Vielleicht kann Ihnen Hildegarde behülflich ſein, ihn zum Vorſchein zu bringen.“
Ihre Worte wirkten wie ein Zauber. Hamilton,


