Teil eines Werkes 
1. bis 6. Bändchen (1854)
Entstehung
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Ohr von ihm, daß er einen Augenblick völlig betäubt war; und ſelbſt, als er wieder auͤfrecht ſtand, blickte er ſie einige Sekunden mit ungeheucheltem Erſtaunen an. „Denken Sie,« rief er jetzt heftig, „denken Sie, daß ich Ihnen ungeſtraft erlauben werde, mich ebenſo wie Major Stultz zu behandeln 2« Und dann nahm er ſie in ſeine Arme und küßte ſie zu wiederholten Malen und mit einer Heftigkeit, die ſie über die Maßen zu er⸗ ſchrecken ſchien. „Ich habe Sie mehr als einmal ehrlich gewarnt,“ fügte er hinzu, als er ſie endlich losgelaſſen hatte. „Ich habe Sie ehrlich gewarnt, und Sie wußten, was Sie zu erwarten hatten.“ Sie bedeckte ihr Geſicht mit der Hand und brach in einen Strom von Thrä⸗ nen aus.

„Ich kann mir nicht vorſtellen,“ fuhr er, ungeſtüm auf⸗ und abgehend fort — „ich kann mir nicht vor⸗ ſtellen, warum Sie nicht mit Ihrem gewöhnlichen Muthe mir auf einmal den Namen des Buchs ſagten und dieſe Scene verhüteten.“

Hildegarde ſchüttelte den Kopf und weinte noch bitterlicher.

„Allem nach,“ ſagte er, indem er mit affectirter Ruhe ihr gegenüber Platz nahm, den Arm auf den Tiſch ſtützte und auf dem jetzt unbeſtritten zwiſchen ihnen liegenden Buche trommeite, „Allem nach ſind Sie nicht beſſer als Andere! Ebenſo wenig verläßlich, als andere Mädchen, und ich dachte Sie mir ſo vollkom⸗ men! Ich hätte Alles vergeben können — nur keine Unwahrheit!“ rief er aufſpringend. „Alles, nur das

nicht! Bah! als Sie mir ſagten, die Bücher ſeien in

die Bibliothek zurückgeſchickt worden, habe ich Ihnen unbedenklich ſogleich geglaubt — ich dankte Ihnen für dieſe Rückſicht auf meine Meinung — ha, ha, ha! Für welchen Narren müſſen Sie mich gehalten haben!“ Hildegarde blickte auf. Jeder Zug von Demüthi⸗ gung war aus ihrem Geſicht entwichen, ihre Thränen

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