Teil eines Werkes 
1. bis 6. Bändchen (1854)
Entstehung
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ſtehen. Zweifel und Ungewißheit malten ſich noch im⸗ mer auf ſeinem Angeſicht, als Hildegarde aufſchaute, aber ihr Schrecken, ihr tiefes Erröthen und der kin⸗ diſche Verſuch, die Hand mit dem Buch auf den Rücken zu verſtecken, waren eine Beſtätigung ſeiner Beſorg⸗ niß, daß ſie das verbotene Werk las.

„Entſchuldigen Sie, daß ich Sie unterbrach,“ ſagte er mit erzwungenem Lächeln, aber ich kann wirklich dem Zeugniß meiner Augen nicht trauen und muß Sie bitten, mich einen Augenblick das Buch anſehen zu laſſen.“

„Nein, das ſollen Sie nicht,“ antwortete ſie, auf dem Sopha ſich zurücklehnend, und wurde ſehr bleich, während ſie hinzuſetzte: „Es iſt ſehr unangenehm, auf dieſe Weiſe erſchreckt und unterbrochen zu werden. Ich glaubte, Sie hätten Mama geſagt, daß Sie dieſelbe in Neuberghauſen treffen würden.“

„Sehr wahr; vielleicht werde ich ſie dort treffen, aber ehe ich dahin gehe, muß und will ich das Buch ſehen; davon hängt meine künftige Meinung von Ihnen ab.“

„Sie ſollen es nicht ſehen,“ rief Hildegarde, der das Blut ins Geſicht ſtieg.

„Das Buch,“ ſagte Hamilton, indem er ſie feſt bei der freien Hand faßte. „Das Buch, oder den Namen deſſelben!“

„Keines von beiden!“ rief Hildegarde, indem ſie die Hand loszumachen ſich anſtrengte.

Gleich den meiſten gewöhnlich gemüthsruhigen Per⸗ ſonen verlor Hamilton, wenn er einmal wirklich aufge⸗ regt war, alle Herrſchaft über ſich ſelbſt: er hielt ihre eine Hand wie in einem Schraubſtock, und als ſie die andere hervorbrachte, um jene deſto ſchneller frei zu machen, bückte er ſich, um den Titel des Buchs zu leſen, das ſogleich zu Boden geworfen wurde, und die jetzt freie Hand fuhr mit ſolcher Heftigkeit auf Wange und