Teil eines Werkes 
1. bis 6. Bändchen (1854)
Entstehung
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„So, Sie hatten alſo Bedenken?“

„Ich habe jetzt keines mehr,“ ſagte Hildegarde, in⸗ dem ſie den Band wieder nahm; „außerdem,“ fügte ſte, ihren Stuhl dicht an den Tiſch rückend, hinzu, „muß ich beſtimmt wiſſen, ob die Heldin den jungen Dichter heirathet, oder nicht.“

„Heirathen!“ rief Hamilton mit ironiſchem La⸗ chen, „es ſteht kein Wort von Heirath in dem ganzen Buch — das würde zu unpoetiſch ſein. Ich kann mir jedoch kaum vorſtellen, daß dieſe Heldin Sie wirk⸗ lich intereſſirt, — eine Heldin, deren Gedanken und Raiſonnements ganz die einer Frau ſind, die ſich in den Strudel irdiſcher Freuden geſtürzt und aus Ueber⸗ ſättigung ſie zu verachten gelernt hat. Ich wünſche, es wäre eines der andern Werke von Sand, oder — oder daß um Ihretwillen Madame Dudevant in eini⸗ gen Partien ihres Werks minder glühend und gra⸗ phiſch gezeichnet hätte. Wenn,“ fügte er halb fragend hinzu, „wenn Sie blos leſen, um das Ende der Ge⸗ ſchichte zu erfahren, ſo iſt dieß bald geſagt; der Er⸗ eigniſſe ſind es wenige, und ich bin bereit, ſie Ihnen zu erzählen.“

„Oskar hat eine viel höhere Meinung von mei⸗ nem Verſtand, als Sie,“ bemerkte Hildegarde, lang⸗ ſam die Blätter umſchlagend; „er ſagt, mein Charak⸗ ter ſei entſchieden geformt, daß ich ohne Gefahr, was mir beliebt, leſen könne.“

„Das war eine grobe Schmeichelei,“ ſagte Ha⸗ milton, „denn kein Mädchen von ſiebenzehn Jahren kann ohne Gefahr ein Buch dieſer Art leſen. Die religiöſen Spekulationen allein machen es unpaſſend für Sie — aber halt, ich kann es beweiſen; leſen Sie mir ein halbes Dutzend Seiten vor — fangen Sie an, wo Sie wollen; die Ausſicht, daß ich Recht behalte, iſt zu meinen Gunſten.“

„Es iſt nicht ganz zum Lautleſen geeignet,“ ſagte Hildegarde mit einiger Verlegenheit.