Teil eines Werkes 
1. bis 6. Bändchen (1854)
Entstehung
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„Und kein Taugenichts?“

„Ein wenig,“ ſagte Hamilton lachend, „aber Acht halb ſo ſchlimm, als Ihr Couſin Raymund.“

„Iſt er viel älter, als Sie?“

„Mehrere Jahre. Aber darf ich fragen, warum mein Bruder ſo plötzlich ein Gegenſtand des Intereſſes für Sie geworden iſt?“

„Er intereſſirt mich nicht im Geringſten,“ begann Hildegarde; aber in dieſem Augenblick zog Hamilton, deſſen Hand unter dem verwirrten Wollenknäuel her⸗ umgewandert war, plötzlich ein kleines Buch hervor, das unter demſelben verborgen geweſen. Ihr erſter Gedanke war, ihn an dem Oeffnen deſſelben zu ver⸗ hindern, aber ſie änderte ihre Abſicht und fuhr, ob⸗ wohl tief erröthend, an ihrer Arbeit fort, ohne eine Sylbe zu äußern.

Hamilton blätterte einige Minuten ſtillſchweigend arin.

„Wer hat Ihnen die Werke von Georges Sand zu leſen empfohlen?“ fragte er, das Buch neben ſie auf den Tiſch legend.

„Oskar; er ſagte mir, ſie wären intereſſant und äußerſt gut geſchrieben.“

„Sie ſind beides, das Eine wie das Andere, und doch hätte mich Nichts bewegen können, Ihnen zu die⸗ ſer Lektüre — beſonders dieſem Band, zu rathen. Ich bin erſtaunt, daß Sie nicht ſelbſt bemerkten, wie wenig dieß für eine Perſon Ihres Alters ſich ſchickt —“

„Bah!“ rief Hildegarde unmuthig. „Mama will, ich ſoll Franzöſiſch leſen, damit ich die Sprache nicht vergeſſe; die beſten Schriftſteller des Tags ſind natür⸗ lich auch die beſten für dieſen Zweck, und Oskar ſagt, alle franzöfiſchen Romane ſeien mehr oder minder von dieſer Gattung. Er bemerkte zugleich, ich dürfe mir durchaus deßhalb kein Bedenken machen, denn die Werke wären von einer Frau geſchrieben und dürften darum wohl auch von einer geleſen werden.“