359
„So iſt's!“ rief Zedwitz mit übel verhehltem Un⸗ muth, „er hat ſich ehrenhaft benommen, indem er Sie in Stand ſetzte, auf der Hut zu ſein, und glaubt jetzt, daß es ihm frei ſtehe, ſich um Ihre Neigung zu be⸗ werben.“
Hildegarde ſchien von dieſer Bemerkung ergriffen und ging ſtill weiter. Zedwitz entſchuldigte den Um⸗ ſtand, daß er gegen den Freund geſprochen hatte, mit ſeiner Eiferſucht und begann nun ſeine eigene Sache mit großem Eifer zu führen.
Unter dieſem Geſpräch hatten ſie eine falſche Rich⸗ tung eingeſchlagen und wurden von Madame Roſen⸗ berg laut zurückgerufen, die ihre Verwunderung dar⸗ über ausſprach, an was ſie in aller Welt gedacht hät⸗ ten! Zedwitz fand keine Gelegenheit mehr, die Unter⸗ haltung wieder anzuknüpfen, aber er beruhigte ſich offenbar bei der Entdeckung, daß ſie kein Mißfallen äußerte.
Als Hamilton dieſen Abend nach Hauſe kam, war Hildegarde bei den Hoffmanns, die ſie ſchon lange nicht mehr beſucht hatte. Bei ihrer Rückkehr erkun⸗ digte er ſich mit äußerſter Geſprächigkeit nach jedem Familienmitglied, den Couſin Oskar mit eingeſchloſſen. Sie ſetzte ſich ſo weit als möglich von ihm und ſchien während der Antworten auf ſeine Fragen mehr an die farbige Wolle, die ſie in dem Körbchen ordnete, als an das, was ſie ſagte, zu denken.
„Hat Ihr Couſin dieſen Abend vorgeleſen?“ fragte Hamilton, indem er ſeinen Stuhl zu ihr rückte.
„Nein, er vrobirte eine Menge neuer Muſikalien, die Marie eben erhalten hatte. Creſcenz, ſage mir doch, wie Du Dein Grün bei Nacht unterſcheideſt. Mir kommt Alles blau vor.“
„Die Namen und Nummern ſind an jede Farbe ge⸗ ſteckt,“ erwiederte Creſcenz, indem ſie ihr hübſch ge⸗ ordnetes Körbchen ihr zur Beſichtigung hinſchob⸗


