Teil eines Werkes 
1. bis 6. Bändchen (1854)
Entstehung
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grenzenden Faſſung zugehört, daß Zedwitz, für ſich bei⸗ nahe ganz beruhigt, ſchon bedauerte, ſo viel geſagt zu haben und, wäre ſie ſtille geblieben, vielleicht ſeine letzte Bemerkung gemildert hätte, aber ſie ſchaute plötz⸗

lich auf und bemerkte mit ihrer gewöhnlichen Energie:

„Herr Hamilton hat nie über ſeinen Bruder mit mir geſprochen, deßwegen weiß ich auch nichts von ihm. Sie irren ſich jedoch in Bezug auf ſeine An⸗ ſichten von Frauen — er denkt höher von ihnen, als die Männer im Allgemeinen, und daß er ihre Geſell⸗ ſchaft liebt, geht daraus hervor, daß er ſo viel bei uns zu Hauſe bleibt. Mama ſagt, ſie habe nie einen jun⸗ gen Mann von ſo vollkommener Erziehung und ſolcher Trefflichkeit in jeder Hinſicht gekannt.“

Zedwitz wußte nichts von der Eigenthümlichkeit in Hildegarde's Charakter, welche ſie veranlaßte, unwan⸗ delbar den Abweſenden zu vertheidigen; er war daher nicht wenig geärgert und ſtammelte nur mit Mühe: „und Sie — Sie — denken — vielleicht gleich hoch von ibm?“

„Vielleicht, — je mehr ich ihn kenne, um ſo lie⸗ ber wird er mir,“ erwiederte Hildegarde offen.“

„Ich habe meine Antwort,“ murmelte Zedwitz, in⸗ dem er ſich auf die Lippen biß, „meine Warnung kommt zu ſpät — er wußte es, als er mir die Erlaubniß zu ſprechen gab.“

„Wer gab Ihnen Erlaubniß? Welche Warnung?“ fragte Hildegarde ſchnell.

Zedwitz war zu weit gegangen, um wieder zurück zu können, und wurde jetzt ſehr ausführlich. Hilde⸗ garde horchte wieder ruhig zu und bemerkte, als er geendigt hatte, halb vorwurfsvoll:

„Wenn Hamilton von Ihnen ſpricht, geſchieht es nicht, um mich zu warnen — aber wir wollen dar⸗ über hinweggehen. Ich muß Ihnen jedoch erklären,

daß Sie bei Ihrer Warnung nichts geſagt haben, was

ich nicht ſchon von ihm ſelbſt gehort hätte.“