Teil eines Werkes 
1. bis 6. Bändchen (1854)
Entstehung
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„Durchaus nicht,“ erwiederte Roſenberg lächelnd. „Es iſt nur Allerheiligen⸗Tag und meine Mädchen wollen Kränze auf ihrer Mutter Grab legen. Wahr⸗ ſcheinlich ſind Sie gleichfalls auf dem Weg nach dem dem Kirchhof, wie alle Welt?“

„Nein,“ ſagte Hamilton, „warum ſollte ich hin⸗ gehen 2“

„Ich weiß wirklich nicht,“ erwiederte Roſenberg, „außer daß es Sie als Fremden vielleicht intereſſiren dürfte, die geſchmückten Gräber zu ſehen.“

„Wenn es etwas zu ſehen gibt, werde ich jeden⸗ falls nach dem Kirchhof reiten, wenn mein Beſuch bei Zedwitz vorüber iſt,“ ſagte Hamilton, indem er fich niederbeugte, um den Kranz, den Hildegarde am Arm hängen hatte, zu beſehen.

„Meine Frau hat dieſen Morgen Hildegarde mit bieſem Kranz und einem Bouquet prächtiger Dahlien überraſcht und ich erzähle ihnen eben, daß ihrer Mutter Jahr auf dieſelbe Weiſe geſchmückt wor⸗ en iſt.“

„Ich kenne meiner Stiefmutter Freunblichkeit voll⸗ kommen,“ ſagte Hildegarde mit einiger Verlegenheit, „und ich bedaure, wenn ich ihr je Unrecht gethan habe.“

„Das iſt recht, Hildegarde,“ ſagte ihr Vater. „Jetzt weiß ich auch, daß Du Alles ſagen wirſt, was ich wünſche — morgen können wir allein mit einander hingehen, aber heute müßt Ihr Eure Stiefmutter be⸗ gleiten.“

Hamilton befahl ſeinem Diener, ihn auf dem Kirchhof zu erwarten und ritt nach der Kaſerne. Es fiel ihm nicht ſchwer, Zedwitz zu überreden, ihn zu be⸗ gleiten, nachdem er ihm geſagt hatte, daß Hildegarde dort wäre. „Ich will zu den Lebenden gehen,“ ſagte er, „aber nicht für die Todten beten, ſofern ich nicht allein an der Wirkſamkeit meiner Gebete, ſondern auch an der Exiſtenz des Fegfeuers zweifle.“