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„Stille,“ ſagte Hamilton lachend, „kein guter Ka⸗ tholit ſollte ſo etwas in Zweifel ziehen. Ich hoffe, in Ihnen keinen Ungläubigen zu finden, wie in meinem Freunde Biedermann, der die Philoſophie an die Stelle der Religion geſetzt hat und davon ſpricht, daß die Seele nach ihrer Trennung vom Körper in das ewige Sein ſich auflöſe.“
„Nein,“ ſagte Zedwitz! zich bin ein guter Katholik, und glaube mehr, als viele Bekenner meiner Religion. Ich gehe alle Sonn⸗ und Feiertage zur Meſſe, und meine Mutter ſorgt dafür, daß ich meine Sünden we⸗ nigſtens einmal im Jahr beichte.“
„Dieſe Beichte muß ſehr peinlich ſein,“ bemerkte
Hamilton. „Manchmal — ziemlich, erwiederte Zedwitz, in⸗
dem er ſein Pferd auf der Straße tanzen ließ.
„Es iſt, als ob ganz München Trauer ange⸗ legt hätte,“ ſagte Hamilton; „dieſe Volksmenge erin⸗ nert mich an das Octoberfeſt, aber die Geſichter paſſen nicht ganz zu den Gewändern. Iſt es nicht nöthig, bei ſolcher Veranlaſſung ein wenig betrübt auszuſehen 1
„Wie können Sie ſo unvernünftig ſein!“ rief
Zedwitz. „Viele von dieſen Perſonen beſuchen die Gräber von Verwandten, die ſchon ſeit einem Dutzend Jahren todt ſind! Ich meines Theils finde etwas Achtungs⸗, beinahe Preiswürdiges darin, einen Tag im Jahr dem Andenken an die Todten zu weihen, ſelbſt wenn er ohne Thränen hingebracht wird.“
„Ich ſtimme Ihnen völlig bei,“ ſagte Hamilton,
„und die Idee, für ihre Seelen zu beten, iſt äußerſt
poetiſch. Wäre ich Katholif, dieß würde eine von den
Lehren ſein, an die ich unverbrüchlich glaubte. Aber,“ fuhr er nach einer langen Pauſe fort, „es ſcheint ſonderbar, daß der Allerheiligen⸗Tag ſtatt des Aller⸗ ſeelen⸗Tags gewählt worden iſt — können Sie mir ſagen, warum?“


