Fingern drehte. „Er iſt gewiß ſehr zornig geweſen, da Sie ſo lange ausgeblieben find.“
„Ja, zuerſt; aber ich ſagte ihm, er habe kein Recht, über Sie böſe zu ſein, weil Sie zufällig von Andern geliebt würden.“
„Wirklich! Haben Sie das geſagt?“ rief Creſcenz.
„Das heißt,“ bemerkte Hildegarde mit leichtem Hohn, „Sie haben genau das geſagt, was Mama Ih⸗ nen anbefohlen hat!“
Hamilton empfand den heftigſten Zorn, aber ent⸗ ſchloſſen, es Hildegarde nicht merken zu laſſen, antwor⸗ tete er ruhig, obwohl mit leicht zuſammengezogenen Augenbraunen. „Nein, mein Fräulein, — nicht genau — denn ich habe nur geſagt, was die Wahrheit war.“ Bei dieſen Worten nahm er abſichtlich, wie um ihr zu trotzen, auf einem Stuhl neben Creſcenz Platz und faßte ſie bei der Hand, während er hinzuſetzte: „ich ſagte dem Major, wie ſehr ich Sie bewunderte, wie völlig ſanft und verſöhnlich Sie ſeien, aber ich erklärte ihm auch ohne Rückhalt meine Stellung in der Welt und alle die Mühſeligkeiten, denen ein jüngerer Sohn in England ausgeſetzt iſt.“
Hamilton ſchilderte hier ziemlich ausführlich den Unterſchied zwiſchen der gleichmäßigen Vertheilung des Vermögens unter die Kinder, wie ſolche in Deutſch⸗ land gebräuchlich iſt, und den ſcheinbar ſo ungerechten Privilegien der Erſtgeburt in England — verweilte lange mit Empfindung bei den Kämpfen und Leiden eines jüngern Sohnes, der in Ueppigkeit auferzogen und dann mit allen ſeinen koſtſpieligen Gewohnheiten in vergleichungsweiſer Armuth in die Welt hinausge⸗ ſtoßen wird — der Nothwendigkeit, ſich durch ſeine Talente vorwärts zu bringen — der Unmöglichkeit einer frühen Heirath! Er ſprach lange und beredt und machte ſichtbaren Eindruck auf ſeine Zuhörerinnen. Creſcenz's Thränen fielen heiß auf den Brief, den ſie unbewußt in der Hand zerknittert hatte, ohne ihn des dg⸗


