326 „Pſt! — ſprechen Sie nicht ſo laut — er iſt da.“ Wer?“
„Major Stultz. Er wartet auf mich. Ich habe ſolches Vertrauen zu Ihnen, daß ich ihm geſagt habe, ich könne ſeinen Worten keinen Glauben ſchenken — und nun antworten Sie ſchnell auf meine Frage: Ha⸗ ben Sie aufgehört, ſich für mich zu intereſſiren und ziehen Sie Hildegarde vor?“
„Bah!“ rief Hamilton, indem er nach dem Hut griff, um ſeine Verlegenheit zu verbergen. „Ich liebe und bewundere Sie beide; aber als Major Stultz dieſen Abend eiferfüchtig war, habe ich natürlich Hil⸗ degarde den Vorzug gegeben.“ „Iſt dieß die wirkliche Wahrheit?“ fragte Cres⸗
nz.
r Benehmen war ungewöhnlich ernſt, aber Ha⸗ milton war nicht gewohnt, dem, was ſie ſagte, große Aufmerkſamkeit zu widmen, und ſo antwortete er ſorg⸗ los lachend:
„Welches Gewicht Sie doch auf eine ſolche Klei⸗ nigkeit legen.“
„Wenn Sie lachen können, ſo habe ich mich wirk⸗ lich in Ihnen getäuſcht.“
„Was wollen Sie denn eigentlich ſagen?“ fragte Hamilton äußerſt gepeinigt.
„Am Anfang unſerer Bekanntſchaft,“ ſagte Cres⸗ cenz beinahe flüſternd, „erklärte Hildegarde, Sie ma⸗ chen ſich nur auf meine Koſten Spaß; das iſt meiner Ueberzeugung nach nicht der Fall geweſen; aber Major Stultz behauptet nicht nur, Sie haben ſich nie etwas
um mich bekümmert, ſondern beharrt darauf, Sie haben
offen Hildegarde einen Vorzug eingeräumt.“
„Und wenn das wäre?“ ſagte Hamilton, indem er ſeinen Hut auf der Spitze des Stocks tanzen ließ.
„Wenn das iſt, — kann — ich — nie wieder einem Manne trauen!“


