320
„Wenn wir je von ihm ohne Mama's Gegen⸗ wart geſprochen hätten, würde ich nicht angeſtanden haben, zu erklären, daß es, mit Ausnahme meines Vaters, keinen liebenswürdigern oder edelmüthigeren Mann gebe, als er iſt.“
Hamilton verſuchte zu lächeln, um die Eiferſucht zu verbergen, die er in dieſem Augenblick ſcharf fühlte, und antwortete mit affektirtem Eifer: „Wollen Sie mir erlauben, Zedwitz mitzutheilen, was Sie geſagt haben? Ich weiß, daß es ihn unausſprechlich glücklich machen wird.“
„Nein, ich danke Ihnen,“ erwiederte Hildegarde ruhig, obwohl ſelbſt im blaſſen Mondlicht Ihr tiefes Erröthen zu bemerken war. „Es iſt ganz gleichgültig, was er jetzt von mir, oder ich von ihm denke.“
Es erfolgte eine Pauſe, die von Hamilton plötz⸗ lich unterbrochen wurde, indem er ſagte: „wenn Sie wirklich Zedwitz für ſo ſchätzbar halten, darf ich Sie fragen, warum Sie ſeinen Heirathsantrag an dem Tage, da wir auf der Alpe waren, abgewieſen haben?“
Hildegarde ſchien äußerſt verwirrt zu ſein und ſchwieg.
„Sie können ohne Zurückhaltung ſprechen,“ ſetzte Hamilton hinzu, „denn Zedwitz hat mir Alles erzählt.“
„Ich will durchaus nicht ſprechen, bis —“ fügte ſie halb lächelnd bei — „bis Sie Ihr Amt als Men⸗ tor beginnen; Sie ſcheinen ganz vergeſſen zu haben, daß Sie es vorige Nacht übernommen haben, mir meine Fehler zu ſagen und, ſie abzulegen, behülflich zu ſein. Habe ich heute etwas Tadelnswerthes gethan?“ Ja,“ erwiederte Hamilton, „ich habe Sie Ihrem Couſin dieſen Abend, als er zu uns ſtieß, einen Blick zuwerfen ſehen, der mir die Vorſtellung von einem vorausgegangenen Einverſtändniß mit ihm erregt hat —“
„Fahren Sie fort,“ ſagte Hildegarde.
„Können Sie ſich nicht erklären oder entſchuldi⸗ gen?“ fragte Hamilton mit einiger Verlegenheit.


