Teil eines Werkes 
1. bis 6. Bändchen (1854)
Entstehung
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„Aber Sie wollen doch damit nicht ſagen, daß ich, ein Fremder, die Bücher mit nach Haus nehmen darf?“

„Ihre Vorſtellungen find zu engliſch, um eine ſolche Liberalität zu begreifen; gerade ſo war es bei mir, als ich zuerſt nach München kam; aber Thatſache iſt es, daß Sie die Bücher in Ihre Wohnung nehmen und nach Muße leſen können. Natürlich müſſen Sie ſich in Acht nehmen, ſie irgend zu beſchädigen.“

„Aber wenn viele Leute dieſes Recht genießen, werden die Bücher mit der Zeit nothwendig verdorben.“

„Sie denken vielleicht, es wäre klüger, wenn dieſe achtmalhunderttauſend Bücher in Glaskäſten verſetzt und den Fremden blos gezeigt würden, anſtatt ſie ihnen zur Verfügung zu ſtellen. Soweit ich jedoch aus eigener Wahrnehmung beurtheilen kann, ſind die Bücher weder verdorben, noch ſelbſt beſchmutzt; wenigſtens keines, das ich je begehrt habe, und Sie ſehen,“ ſetzte ſie hinzu, die Papier⸗Ueberdecke von einem derſelben abnehmend, „daß ſie recht nett gebunden find.“

„Leſen Sie viel?“ fragte er.

„Ich glaubte einſt ſo; aber als ich zu Ende des Jahrs einen Blick auf die Liſte der wirklich geleſenen Bücher warf, war deren Zahl ſo unbedeutend, daß ich jetzt keinen Anſpruch darauf mache, für eine ſogenannte Vielleſerin zu gelten; — einige Memoiren, Reiſebe⸗ ſchreibungen, gelegentlich ein Roman und die Zeitungen füllen meine Zeit gänzlich aus. Aber jetzt müſſen Sie wirklich ein Buch nehmen, oder die Landſchaft in der Stille bewundern, denn ich kann meine Allgemeine Zeitung“ nicht länger ungeleſen laſſen. Ich habe täg⸗ lich nur Zeit für Eine und bekomme einen Anfall von Verzweiflung, wenn ſie ſich anhäufen.“

„Ich denke, wenn Sie mit mir nicht ſchwatzen wollen, rauche ich lieber eine Cigarre.“

„Ein vortrefflicher Gedanke! Setzen Sie ſich auf des Kutſchers Platz neben Hermann, der ſicher gern

fahren wird, um das Vergnügen Ihrer Geſellſchaft zu