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Stiefmutter entgegen, die jetzt in einem ſehr unvor⸗ theilhaſt ſtehenden dunkelfarbigen Morgknrock, über den ſie nachläſſig einen alten Shawl geworfen hatte, wäh⸗ rend ſie noch am Kopfe jene widerwärtigen Lederwickel trug, die dazu dienen, widerſpenſtige Haare in Locken zu drehen, — den Garten betrat.
„Wer iſt das?“ fragte die Gräfin, zu ſeiner großen Erleichterung deutſch ſprechend? „Wer iſt dieſe Perſon?“
„Ich glaube, ſie heißt Roſenberg,“ antwortete er, ſie kam geſtern von München.“
„Ah, ich weiß, das iſt die Perſon, die geſtern Nacht in der Gallerie ein ſolches Geſchrei erhob.“
„Nein, Mama, es war eine ihrer Töchter, die es
gethan hat.“ „So, eine ihrer Töchter! Sie ſind ſehr hübſch,“ ſagte die Gräfin, ihre Doppel⸗Lorgnette nach den Augen führend, — „wirklich ſehr hübſchi und ich glaube, ich habe ſie ſchon irgendwo früher geſehen, kann mich aber nicht erinnern, wo —“
„O Mama, ich weiß, wo Sie dieſelben geſehen haben: ſie befanden ſich in derſelben Schule mit meiner Couſine Thereſe, und wir ſahen ſie voriges Jahr bei den Prüfungen. Erinnern Sie ſich nicht der beiden Schweſtern, die ſo viel Aehnlichkeit mit einander hatten? Und als wir mit der Fürſtin N. heimfuhren, erklärte dieſe, die eine von ihnen wäre das ſchönſte Geſchöpf, das ſie je geſehen habe! Ich glaube auch, ſie ſagte, ſie habe deren Mutter gekannt!“
„Doch nicht jene Perſon in dem abſcheulichen Negligé? Du träumſt, mein Kind.“
„Nein, nein — ihre Mutter war von Adel! — Sie war eine Raimond, hatte kein Vermögen und hei⸗ rathete tief unter ihrem Stand, ungeachtet ſie ſchon alt genug war, um keine Unklugheit zu begehen; ihre Ver⸗ wandten vergaben ihr nie, erboten ſich aber nach deren Tod, ihre zwei Mädchen zu Gouvernanten ausbilden zu laſſen; ihr Vater wollte ſich aber nicht von ihnen


