Teil eines Werkes 
1. bis 6. Bändchen (1854)
Entstehung
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Zur Erklärung ſtreckte ſie ihre volle rothe Unter⸗ lippe heraus und ſtellte damit eher ein hübſches, un⸗ artiges Kind, als einen häßlichen, alten Doktor vor.

„Ich durfte ihre Brautjungfer ſein,“ fuhr ſie fort, „und da ich die ganze Geſchichte mit Theodor wußte, fragte ich fie, ob ſie wirklich ſo glücklich wäre, als ſie zu ſein ſchiene? Und, können Sie es glauben? — ſie ſagte mir, all die hübſchen Sachen, die ſie mir von Seon und ihrer erſten Liebe erzählt hatte, wären nichts als dummes Zeug und Unſinn, — ſie habe Theodor zu ihrer Hochzeit eingeladen und gedenke am Abend mit ihm zu tanzen.“

„Demnach war die Geſchichte mit Theodor wirklich nichts als ſo ein Flirtiren,“*) bemerkte Hamilton.

„Ich weiß nicht, was das heißt,“ antwortete ſie mit einem forſchenden Blick auf ſein Geſicht; es iſt ein engliſches Wort, glaube ich.“

„Ganz engliſch,“ ſagte Hamilton lachend, „aber Ihre Freundin ſcheint die Bedeutung vollkommen ver⸗ ſtanden zu haben.“

„Und doch hat ſie keinen Unterricht im Engliſchen gehabt,“ ſagte Crescenz nachdenklich, „aber ich erinnere mich, daß ſie mir in der Schule ſagte, ſie wollte, wenn ſie Theodor nicht heirathen könne, in ein Kloſter gehen. Und dann ſich mit einem alten, häßlichen Doctor Ber⸗ ger ſich zu begnügen!“

„Sie würden es nicht ſo gemacht haben?“ forſchte Hamilton.

Sie war gerade im Begriff, zu antworten, als ihr Auge auf das der ihnen gegenüber ſitzenden Dienerin fiel; ſo erröthete ſie und ſchwieg ſtille. Hamilron hatte längſt dieſe Perſon für läſtig gehalten, obwohl ſie all⸗ zuſehr mit dem jungen Herrn Peppy beſchäftigt war, als daß ſie viel auf ihre Unterhaltung hören konnte. Es ſiel ihm jedoch plötzlich ein, ſeine Frage franzöſiſch

*) Flirtation: Koketterie und Liebeständelei.