Teil eines Werkes 
1. bis 6. Bändchen (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

freuen ſich nicht minder, auf das Land zu kommen, — beſonders nach Seon.“

„Und warum beſonders nach Seon?“ fragte Ha⸗ milton.

„O, weil ich ſo viel von einer meiner Schul⸗ freundinnen darüber gehört habe.“

„Vielleicht können Sie mir dann einige Aufklärung darüber geben, ich habe nicht die geringſte Idee davon, was es für ein Platz iſt.“

„Ich glaube, es iſt ein altes Kloſter, mit langen Corrivors, wo man erwarten möchte, den Geiſtern der dort umgehenden Mönche zu begegnen — und die Fenſter gehen auf finſtere Höfe, und in einer Mond⸗ ſcheinnacht iſt es ganz romantiſch, in den Kreuzgängen zu wandeln!“

„Und Ihre Freundin that dieſes ganz allein und bei Mondlicht an einem ſolchen Orte!“

„O, ſie war nicht allein,“ ſagte Creſcenz lächelnd und ſchlau den Kopf ſchüttelnd.

„Das konnte ich mir denken, — wahrſcheinlich be⸗ fand ſich ihre Mutter oder Schweſter bei ihr.“

„Ihre Mutter war nicht da, und ihr Schwager wollte ihrer Schweſter nicht erlauben, im Mondſchein ſpazieren zu gehen.“

„Was für ein Barbar muß er geweſen ſein! Wer konnte denn alſo ihr Begleiter ſein. Doch wohl kaum ihr Vater?“

Creſcenz lachte überlaut.

„O nein; wäre es ihr Vater geweſen, würde Lina nicht wieder in die Schule geſchickt worden ſein. Man ſagt, ſie habe alle möglichen wilden Streiche zu Hauſe angeſtellt; ihr Kopf ſtecke voll Unfinn, und ſie müſſe kurirt werden.“

„Und iſt ſie kurirt worden?“

„Ich denke ſo, denn einige Zeit verließ ſie uns wieder und heirathete einen häßlichen, alten Doktor. O, er iſt ſo häßlich. Sein Kinn ſteht ſo hervor.“