Druckschrift 
Die Geschichte von Samuel Titmarsh und dem großen Hoggarty'schen Diamant : drei Bändchen / von W. M. Thackeray
Entstehung
Einzelbild herunterladen

158

Frau mitbrachte, um nach Marie zu ſehen. Obgleich dieſe Fran eine ziemlich hohe Gönnermiene annahm — ihr Mann war Meiſter in der löblichen Kürſchnerzunft und hatte Ausſicht Alderman, ja dereinſt vielleicht Lord⸗ mayor der erſten Stadt in der Welt zu werden — ſchien ſie dennoch herzliche Theilnahme für uns zu empfinden und ihr Gatte ſtieß alle Thüren und Thore auf, bis die erbetene Erlaubniß ertheilt wurde und ich vergleich⸗ ungsweiſe die Freiheit erhielt.

Eine Wohnung war bald gefunden. Meine alte Hauswirthin, Frau Stokes, ſchickte ihre Jemima und ließ mir ſagen, daß uns ihr erſter Stock zu Dienſten ſtehe. Als wir denſelben bezogen hatten und ich am Ende der Woche ihr den Miethzins bezahlen wollte, ſagte mir die gute Seele mit weinenden Augen, ſie brauche für jetzt gerade kein Geld und wiſſe wohl, daß ich dasjenige ſelber höchſt nöthig hätte, was ich beſaß. Ihre Güte war mir ganz erwünſcht, denn wirklich hatte ich nur noch fünf Guineen übrig. Auch hätte mir's von Rechtswegen nicht einfallen ſollen, in ein ſo theures Logis zu ziehen. Allein die Zeit der Entbindung Ma⸗ riens kam immer näher und ich konnte den Gedanken nicht ertragen, daß ſie in ihrem Wochenbette irgend n Annehmlichkeit oder Gemächlichkeit hätte entbehren müſſen.

Dieſes herrliche Weib — Auguſt's Schweſtern, ſehr brave ordentliche Mädchen, kamen täglich, ihr Ge⸗ ſellſchaft zu leiſten — erholte ſich jetzt ſchnell, da ſie nicht mehr in dem abſcheulichen Gefängniſſe eingeſperrt und im Stande war, ſich mehr Bewegung zu machen. Wie heiter und ſeelenvergnügt wandelten wir mit ein⸗ ander die Bridgeſtraße und den Chatamplatz auf und ab! Wahrhaftig! und dennoch war ich im Grund ein Bettler und machte mir öfters Vorwürfe darüber, daß 33 ich ſo fröhlich ſein konnte. Was meine Beziehungen zu der Weſtdiddleſer⸗Ge⸗ 1 ſellſchaft betrifft, ſo durfte ich jetzt ganz ruhig deshalb