Druckschrift 
Die Geschichte von Samuel Titmarsh und dem großen Hoggarty'schen Diamant : drei Bändchen / von W. M. Thackeray
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

Hälfte des Silberſtücks ſich befand, und beneidete das glückliche Stückchen Silber.

Den letzten Tag meiner Ferien mußte ich wie natür⸗ lich meiner Tante Hoggarty widmen. Sie war ausneh⸗ mend gnädig, und wichste ein Paar Flaſchen von dem ſchwarzen Johannisbeerwein auf, wovon ich das Meiſte trinken mußte. Als am Abend die Frauen, die bei ihr zuſammengekommen waren, ſich ſämmtlich — ſammt ihren Ueberſchuhen und Mägden — verabſchiedet, loſchte Frau Hoggarty, die mir ein Zeichen gegeben, daß ich bleiben ſollte, zuerſt drei von den Wachslichtern, die im Viſiten⸗ zimmer brannten, nahm dann eines zur Hand, ging und ſchloß ihren Schreibtiſch auf.

Ich muß ſagen, mir klopfte das Herz, wiewohl ich ganz unbefangen that.

„Mein lieber Samuel,“ hob ſie an, indem ſie ſo mit ihren Schlüſſeln klapperte, „ſchenk Dir noch ein Glas Roſolio ein“ — ſo betitelte ſie, wie geſagt, jenes ver⸗ wünſchte Getränke — „es wird Dir gut bekommen.“ Ich that es aber mit zitternder Hand, daß das Glas vom Anſtoßen der Flaſche klirrte. Indem ich es hinunterſtürzte, wurde die Alte auch mit ihren Operationen am Schreib⸗ tiſche fertig und trat zu mir, in der einen Hand mit dem Lichte zitternd, in der andern ein großes Päckchen.

„Jetzt gehts los,“ dachte ich.

„Samuel, mein lieber Neffe,“ ſprach ſie, „mit Dei⸗ nem erſten Namen heißeſt Du nach meinem ſeligen Mann, Deinem guten Oheim, und biſt von all meinen Neffen und Nichten der Einzige, mit deſſen Betragen und Auf⸗ führung ich vollkommen zufrieden bin.“

Wenn man bedenkt, daß meine Tante ſelber ſechs verheirathete Schweſtern hatte, und daß die dreizehn Hog⸗ garty's, welche alle in Irland hauſten, mit zahlreichen Nachkommen geſegnet waren: ſo muß man geſtehen, daß es ein überaus großes Compliment war, das mir die Tante da machte.