Die Wuͤrde und Kaltbluͤtigkeit, mit der er dem Marquis gegenuͤber ſtand, entwaffnete dieſen.
„Entfernen Sie ſich,“ rief die Marquiſe dem Vicar zu, „und wenn Sie, Herr Marquis, mich nicht todt zu Ihren Fuͤßen ſehen wollen, ſo huͤten Sie ſich, ein Haar ſeines Hauptes zu verletzen.“
Langſam und mit edelm Anſtand entfernte ſich der Vicar. Der Marquis ſah ihm erſtarrt nach. — „Treten Sie jetzt herein, mein Herr,“ ſagte die Marquiſe. Sie fuͤhlte, daß der Schein gegen ſie war und ihr zu ihrer Rechtfertigung nichts uͤbrig blieb, als ein Geſtändniß, deſſen Folgen ſie nicht zu berechnen vermochte. Stumm ertrug ſie daher die Fluth von Vorwürfen und Schmähungen, in die der Zorn des Marquis ſich ergoß. Sie brach in Thränen aus, und mit dem ruͤhrenden Blick der Liebe und des Schmerzes ſagte ſie ihm endlich: „Ich kann Ihnen nur verſichern, daß ich Sie liebe und daß ich ſchuldlos bin. Finde ich in Ihrem Herzen keinen Anwald, erhebt ſich in Ihrer Bruſt keine Stimme, die fuͤr die Reinheit meiner Seele und meines Wandels burgt, ſo bleibt mir nichts übrig, als Ihnen auf ewig Lebewohl zu ſagen und auf Nimmerwiederſehn von Ihnen zu ſcheiden.“


