Teil eines Werkes 
14. Band (1830)
Entstehung
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Scheinheiligkeit wirſt Du nicht zu dem Gott kom⸗ men, der ſich uns nicht ſchoͤner zu offenbaren wußte, als wenn er ſich unſern Vater, uns ſeine Kinder nannte. Zwei und zwanzig Jahre lang konnteſt Du dem Mutterherzen den Sohn vorenthalten!

Der Himmel gibt Dir ihn zuruͤck; denn trotz Allem, was ich gethan habe, ſein Daſein und ſeine Herkunft in undurchdringliches Dunkel zu hůllen, hat Gott ſelbſt ihn Dir zugefuͤhrt. Hoͤre mich aber, Victorine ſieh meine kranke, hinfaͤllige Geſtalt noch wenig Monden oder Wochen, und das Herz, deſſen einzige Liebe Du warſt, wird im Grabe ruhen. Laß dies Haupt ſich mit Ehren in das Leichentuch huͤllen, gib mich nicht dem Hohne preis. Ich will den Schleier luͤften, der Dir Deinen Sohn verbirgt, wenn Du mir ſchwoͤrſt, ihm ſo lange ich lebe das Geheimniß ſeiner Geburt zu verſchweigen. Sei ſtark, wie ich es ge⸗ weſen bin, begnuͤge Dich mit dem ſtummen Erbeben Deines Herzens bei ſeinem Anblick; verſchließ Dein Gluͤck und Deine Liebe in Deine Bruſt; gib Dich ihm erſt nach meinem Tode als ſeine Mutter zu erkennen. Bis dahin bewahre das Geheimniß auf das Sorgfaältigſte, auch um unſers Kindes willen.