Teil eines Werkes 
14. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 248 —

ſagte er mit einer Bewegung, die er trotz der langen Gewohnheit, ſeine Gefuhle fremden Blicken zu ent⸗ ziehen, nicht zu verbergen vermochte, „daß Sie krank ſind, und meine Theilnahme an Ihrem Lei⸗ den fuͤhrt mich zu Ihnen.“

„Es gibt Leiden,“ antwortete ſie, „fuͤr die ich wohl ſchon ſeit lange von Ihnen haͤtte Troſt erwar⸗ ten koͤnnen. — Mein Freund,“ fuhr ſie fort, in⸗ dem ſie den Marquis ſuß bittend anſah, „darf ich Dich bitten, uns allein zu laſſen?“

Der Marquis ging. Welcher Augenblick! — Nach zehn Jahren ſah die Marquiſe jetzt den Mann ihrer Liebe wieder, und trotz der Staͤrke, welche die Religion ſeiner Seele gegeben hatte, konnte ſich der Biſchof doch einer ſuͤßen Ruͤhrung nicht erwehren, als ſie ihm jetzt einen Blick zuwarf, aus dem aller Zauber der Erinnerung ſtrahlte; er trat ihr, unwi⸗ derſtehlich angezogen „näher, und druͤckte ihre Hand an ſein Herz.

„Victorine!“ — mehr vermochte er nicht zu ſagen.

Statt aller Antwort zeigte die Marquiſe auf das Bild, und der Biſchof fuhlte ſein Herz ſtaͤrker ſchlagen, als er bei einem fluͤchtigen Blick darauf