Teil eines Werkes 
12. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

183

war, wie ich glaube, das einzige Verdienſt, auf das ich als Schriftſtellerin Anſpruch machen konnte; allein es iſt unglaublich, wie ſich das, was ich ſo darſtellte, gewiſſermaßen von meinem Leben ablöſete und zu Etwas außer mir Exiſtirendem wurde. Der tieſſte Schmerz, den ich empfunden hatte, war der uͤber den Verluſt meiner Eltern; ich ſprach ihn einſt in einer mir heiligen Stunde unter tauſend heißen Thranen in einem Gedichte aus, das man fur mein gelungenſtes haͤlt; aber mir war und iſt es noch eine Entweihung; ich habe das Gedicht nie, ſeitdem es gedruckt iſt, wieder leſen koͤnnen; ich fuhlte durch ſein Daſein das Heiligthum meines Grams entweiht. Ausgeſprochen, der Menge ausgeſprochen hatte ich, was ich nur vor Gott hätte hinweinen ſollen. Vielleicht verſtehſt Du mich nicht in dem unſäglichen Schmerz, mit dem ich das em⸗ pfand; doch jede Schriftſtellerin hat vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht, und ſollte dieſe, als der tief⸗ ſten Wahrheit ihres Seins gefaͤhrlich, fuͤrchten. Anders als das meine hatte ſich das Leben meiner Marie geſtaltet. In ſtiller Demuth bluͤhte ſie im Hauſe der Tante, in all der Lieblichkeit und An⸗ ſpruchloſigkeit zarter Jungfraͤulichkeit fortz Paulmann, den Handlungsgeſchafte nach Konigsberg gefuͤhrt