Teil eines Werkes 
12. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

179

die uns an einander und an unſete Eltern band. Im neunzehnten Jahre wurden wir Waiſen. Eine Tante von uns, die in Königsberg lebte, erbot ſich, eine von uns an Kindes Statt anzunehmen, da ihre Lage es ihr nicht verſtattete, bei uns Beiden Mutter⸗ ſtelle vertreten zu konnen, und das Schickſal ſolbſt entſchied, daß Marie zu der Tante gehen ſolle, in⸗ dem es mir eine andere Verſorgung anwies. Ich hatte mich in den beiden letten Jahren an eine großere Dichtung gewagt und Olga vollendet; der Prediger unſers Wohnortes hatte ſie ohne mein Wiſ⸗ ſen drucken laſſen, und mir dadurch die Gunſt der Herzogin von K. erworben. Dieſe vortreffliche Frau erkundigte ſich bei dem Verleger nach der Verfaſſe⸗ rin; dieſer, der meinen wahren Namen nicht wußte, wandte ſich an den Prediger, von dem er das Ma⸗ nuſcript erhalten hatte, und durch dieſen von mei⸗ nen Verhältniſſen unterrichtet, berief mich die Her⸗ zogin als Vorleſerin zu ſich⸗ Ich ſage Dir nichts von dem Schmerz der Trennung, den Marie und ich empfanden; allein ſo tief er auch war, ſo blieb doch der Gedanke, daß wir nun die Welt ſehen und kennen lernen ſollten, nicht ohne Einfluß auf unſern Sinn. Mit großen Erwartungen von ihr kam ich in der Reſidenz an. Olga hatte mir eine Beruͤhmtheit