Teil eines Werkes 
12. Band (1830)
Entstehung
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meines Lebens entwerfen. Ich bin nicht Mariens Schweſter, aber unſere Väter waren Bruͤder, unſere Muͤtter Schweſtern und wir Beide ſind an einem Tage geboren. Inniger kann keine Familie vereint ſein, als die unſtige es war, und da wir in einer kleinen Stadt in Hinſicht des Umgangs faſt ganz auf uns beſchrankt waren, ſo befeſtigte die Gewohnheit des ungeſtörten Zuſammenlebens das Band unſerer Herzen von Jahr zu Jahr inniger. Von Jugend auf zeigte ich Talent zur Dichtkunſt; meine Lieben erfreuten ſich daran, ohne es aufzumuntern, und meine Mutter bemuͤhete ſich, mir Grundſätze einzu⸗ flößen und Gewohnheiten anzubilden, die mich auch in reiferen Jahren davor ſchutzen konnten, auf mein Talent eitel zu werden. Kaum funfzehn Jahr alt verlor ich meine Eltern; ſie hinterließen mir kein Vermogen, aber von Mariens Eltern aufgenommen, war mir das Gluͤck treuer Elternliebe noch nicht ver⸗ loren. Marie und ich hatten gemeinſchaftlich eine ſchone Kindheit verlebt; auch unſere erſten Jugend⸗ jahre waren ſchön;z die Trauer um den Verluſt mei⸗ ner Eltern veredelte uns und lehrte uns tiefer em⸗ pfinden und das Leben ernſter wuͤrdigen. Einſam von außen entfaltete ſich unſer inneres Leben im umgange mit Gott, mit der Natur, in der Liebe,