— 174 —
Wir waren von einem tief im Gebirge woh⸗ nenden Freunde Paulmann's zu einem Beſuch auf ſein Landgut eingeladen, deſſen ſchoͤne, romantiſche Lage mir Dorothea oft mit Begeiſterung geruͤhmt hatte. Die kleinen zweiräderigen Fuhrwerke, deren man ſich hier allgemein bedient, ſind ohne Ruͤckſit, und ſo fuhr Paulmann mit ſeiner Frau, ich mit Dorothea. Nur eine kurze Strecke waren wir ge⸗ fahren, als die Gegend allmählig wilder und wilder wurde. Die aͤußern Felſenmaſſen begannen gen Himmel aufzuſtarren, wie das Gerippe einer Welt, das erſt des Augenblickes harrte, der es mit Leben und Schonheit bekleiden ſolle; allein dieſe Wildheit hatte eine Größe der Erhabenheit, von der die Seele mächtig ergriffen wurde. Hier ſang kein Vogel, hier bluͤhte keine Blume, der Adler umkreiſete dieſe duͤſtere, furchtbare Einsde. Unſer Geſpräch ſtockte, ich druͤckte ſchweigend Dorotheens Hand an mein Herz. Plötzlich ſpaltete ſich die Felſenwand vor uns, Fichten und Tannen dunkelten jenſeits auf aus den Spalten und Kluften bis hinauf zum Gipfel der Felſen, und erhoben das friſche, unbeſchreiblich glän⸗ zende Gruͤn der dazwiſchen liegenden Thaͤler und Wieſen, deren klare Seen die Schoͤnheit dieſes An⸗ blicks erhöheten. Wir waren erſt gegen Abend aus⸗


