und Neigung haben, auf dem Wege eigener For⸗ ſchung zu erkunden, was uns die Vernunft von Gott zu offenbaren vermag. Widerſpruch zwiſchen Ver⸗ nunfterkenntniß und Offenbarungsglauben kann und darf nicht Statt finden, da es nur Eine Wahrheit und Einen Gott gibt, und wenn die Erkenntniſſe der Vernunft den denkenden, ſittlich guten Menſchen nicht zum Glauben an die Göottlichkeit der Offen⸗ barung zu fuͤhren vermögen, ſo bleibt dieſer Glaube ewig in ſeinem Gemuͤth ein Gebaͤude ohne feſtes Fundament.
Die allerunterſte Stufe der Gotteserkenntniß iſt der Gefuͤhlsglaube, der beim Anblick der Er⸗ ſcheinungen der ſinnlichen Natur im Menſchen er⸗ wacht, und der als ein reines, unverfalſchtes Er⸗ zeugniß unſeres Menſchſeins um ſo hoͤher zu achten iſt, da es fuͤr Individuen, wie fuͤr Voͤlker, einen Standpunkt der Entwickelung gibt, wo es ihnen noch völlig unmoglich iſt, die Gruͤnde fuͤr das Da⸗ ſein Gottes methodiſch zu entwickeln, zu begreifen und zu prufen. Dieſer Gefuͤhlsglaube an Gott be⸗ darf keiner Beweiſe; er iſt ein angeborner Seelen⸗ inſtinct und ſchon als ſolcher ein Buͤrge fuͤr den Adel unſerer ſittlichen Natur; allein die Erſcheinungen


